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Urheber sollten erkennen, die GEMA geht fremd!

von Steffen Peschel am

Es wird Zeit die GEMA mal etwas genauer zu beleuchten. Es IST gut, dass die GEMA diesen Montag ihren allerersten Tag der offenen Tür überhaupt veranstaltet hat. Das Angebot war ehrlich und auf Fragen wurde mir mit viel Elan und eben auch Ehrlichkeit geantwortet. Aber: Das, was an diesem Tag offen stand, war nur die Tür zur Verwaltungsebene des geschäftsführenden Betriebes. Der inhaltlich und gestalterische Souverän der GEMA sind die ordentlichen Mitglieder, die sich wiederum in einer hierarchischen Struktur organisieren, die in bestimmten Teilen stark zu hinterfragen ist.

Die Sache mit den Zahlen

Über die GEMA reden, heißt tatsächlich viel über Zahlen zu reden. Es gibt eine ganze Menge Zahlen, darunter viele interessante, die wirklich wirklich interessanten aber bekommt man wieder nicht auf dem Silbertablett serviert. Interessant ist sicherlich, dass die GEMA ca. 1000 Mitarbeiter hat, verteilt über sieben Bezirksdirektionen. In ihr organisiert sind rund 64.000 Urheber, Rechtsnachfolger und Verleger. Die tatsächliche Anzahl der Urheber betrug 2011 56.690. Meines Erachtens kann man daher sagen, dass in ganz Deutschland im 56.690 Komponisten und Textdichter vom direkt Urheberrecht profitieren.

Die Einnahmen im Jahr 2011 beliefen sich auf ca. 825 Mio € und ca. 15% davon gingen an die GEMA, zur Deckung der Betriebskosten. Daraus ergaben sich im vergangenen Jahr knapp über 700 Mio €, die ausgeschüttet werden konnten. Zu beachten ist aber, dass die GEMA in Deutschland natürlich auch das Geld eintreibt, welches Urhebern aus anderen Ländern zusteht und über Verträge an Verwertungsgesellschaften anderer Länder und an Subverlage ausgeschüttet wird. Diese Summe betrug 2011 immerhin 206 Mio €.

Auf die Frage, wie sich die Ausschüttung auf die Mitglieder im Groben verteilt, machte mir Bezirksdirektionsleiter Uwe Dorn im persönlichen Gespräch dann tatsächlich eine Rechnung auf, wonach man bei beispielhaft gemeinten 640 Mio € Ausschüttung und 64.000 Mitgliedern auf eine Summe von 10.000 € pro Mitglied komme. Die wirklich interessanten Zahlen, wie viel von der Gesamtsumme an die “Dieter Bohlens” und “Stefan Raabs” verteilt werden, gäbe es nicht. Genau das aber wäre ja mal interessant und würde mal ein paar Fakten mit in die Diskussion werfen.

Der Geschäftsbericht der GEMA, aus dem ich auch schon die bisherigen Zahlen habe, hilft aber auch hier etwas weiter, um eine eigene Interpretation anzustellen. Wichtig ist, dass es drei verschiedene GEMA-Mitgliedschaften gibt. Die 65.722 Mitglieder der GEMA gesamt, teilten sich 2011 auf in 55.802 Angeschlossenen Mitgliedern, 6472 Außerordentlichen Mitgliedern  und 3.448 ordentlichen Mitgliedern. Unter den ordentlichen Mitgliedern wiederum befinden sich 2407 Komponisten und 487 Textdichter. Der verbleibende Rest sind 520 Verleger und 34 Rechtsnachfolger, also die Nachfahren der verstorbener Urheber. Dankenswerterweise verrät der Geschäftsbericht auch etwas über die Verteilung innerhalb dieser Gruppen. Denn auf die kleinste Gruppe entfällt tatsächlich das größte Kuchenstück. Die Darstellung besagt, dass 204 Mio € (entspricht 65,25%) auf die ordentlichen Mitglieder entfallen, 15 Mio € (4,79%) auf die Außerordentlichen Mitglieder, 73 Mio € (23,3%) auf die Angeschlossenen Mitglieder und 20 Mio € (6,66%) noch einmal auf die Rechtsnachfolger. (Warum die Rechtsfolger noch einmal auftauchen, obwohl diese sich jeweils schon in den Mitgliedergruppen befinden müssten, wird nicht klar.) Völlig im dunkeln bleibt im Geschäftsbericht, was mit der Differenz passiert, die sich aus 702 Mio Verteilsumme, abzüglich der 206 Mio € für Auslandbeteiligungen und den eben aufgezählten 313 Mio € Gesamtausschüttung an Mitglieder, ergibt (183 Mio €).

Für 3.448 Ordentliche Mitglieder wurden also 204 Mio € ausgeschüttet, macht im Durchschnitt knapp unter 60.000 € pro Ordentliches Mitglied, an 6472 Außerordentlichen Mitgliedern wurden 15 Mio ausgeschüttet, macht im Durchschnitt etwas mehr als 23.000 € und an 55.802 Angeschlossene Mitglieder wurden rund 73 Mio € ausgeschüttet und das macht im Durchschnitt 1.308 € pro Jahr! Die größte Masse an GEMA-Mitgliedern, nämlich knapp 85%, bekommt das wenigste Geld. Hab ich mich verrechnet? Ein Denkfehler? Was genau wollte mir Herr Dorn mit seiner Beispielrechnung vermitteln?

Die 12 Frauen

Eine andere Zahl, die aufgrund der praktischen Monopolstellung der GEMA zu denken geben sollte, in den entscheidenden Positionen, also dem Vorstand, dem Aufsichtsrat, den Ausschüssen und Gremien der GEMA sitzen insgesamt 174 Männer, aber gerade einmal 12 Frauen! Im Gegensatz zu Parteien, wovon es viele oder zumindest einige gibt, hat die GEMA eine Quasimonopolstellung, als KomponistIn und TextdichterIn kann ich mir keine andere aussuchen.

Mitglieder

Ich zitiere die Satzung der GEMA:

§5 Organe des Vereins

Die Organe des Vereins sind:

a) die Versammlung der ordentlichen Mitglieder

b) der Aufsichtsrat

c) der Vorstand im Sinne des BGB.

und weiter:

§6 Mitgliedschaft
1. Der Verein unterscheidet zwischen ordentlichen Mitgliedern, außerordentlichen Mitgliedern und angeschlossenen Mitgliedern. Ordentliches oder außerordentliches Mitglied der GEMA kann nur werden, wer selbst Urheber im Sinne des Urheberrechtsgesetzes ist oder einen Musikverlag betreibt.
2. Die Bezeichnung „angeschlossenes Mitglied“ führt der Berechtigte, der weder die Voraussetzungen der außerordentlichen noch der ordentlichen Mitgliedschaft erfüllt, mit der Unterzeichnung des Berechtigungsvertrages (§ 3). Er ist kein Mitglied
im Sinne des Vereinsrechts. Das Rechtsverhältnis zwischen ihm und dem Verein, im besonderen auch dessen Beendigung, richtet sich ausschließlich nach dem Berechtigungsvertrag.

Es sind also 3.448 Ordentlichen Mitglieder, die über die inhaltliche Ausrichtung und über notwendige Veränderungen entscheiden, nicht etwa alle 65.000 Urheber, die in der GEMA organisiert sind.

Der Grund, warum nur ein geringer Teil Ordentliche Mitglieder sind, ist auch in der Satzung zu finden.

§7

1. Die ordentliche Mitgliedschaft kann nur nach fünfjähriger außerordentlicher Mitgliedschaft erworben werden von:
a) Komponisten, die in fünf aufeinander folgenden Jahren ein Mindestaufkommen von EUR 30 000,00, jedoch in vier aufeinander folgenden Jahren mindestens EUR 1 800,00 jährlich von der GEMA bezogen haben, gerechnet ab 1. Januar 1946.
b) Textdichtern, die in fünf aufeinander folgenden Jahren ein Mindestaufkommen von EUR 30 000,00, jedoch in vier aufeinander folgenden Jahren mindestens EUR 1 800,00 jährlich von der GEMA bezogen haben, gerechnet ab 1. Januar 1946.

c) Musikverlegern, die in fünf aufeinander folgenden Jahren ein Mindestaufkommen von EUR 75 000,00, jedoch in vier aufeinander folgenden Jahren mindestens EUR 4 500,00 jährlich von der GEMA bezogen haben, gerechnet ab 1. Januar 1946.

Mitbestimmen darf also nur, wer bereits wahrhaftig seinen Lebensunterhalt über die schöpferische Tätigkeit bestreiten kann und sich bereits deutlich vom Durchschnitt der “unteren Gruppe”, also dem Durchschnitt der Angeschlossenen Mitgliedern abhebt. Wie bereits errechnet bezieht das einzelne Angeschlossene Mitglied nur knapp 1.300 € pro Jahr.

Bezogen auf den gesamt-gesellschaftlichen Rahmen, in dem über viele Jahre hinweg Mitbestimmung als unabhängig von gesellschaftlicher Stellung und unabhängig von Einkommen und ähnlichen Faktoren herausgearbeitet wurde, ist ein Mitbestimmungskriterium über das Einkommen sehr kritisch zu beurteilen. Angesichts der faktischen Position und gesetzlichen Verankerung der GEMA und der breiten öffentlichen und gesellschaftlich relevanten Diskussion um das Urheber, ist die innerliche Struktur der GEMA meiner Meinung nach nicht kommentarlos hinnehmbar.

Arbeitsfähig?

Es stellt sich auch die Frage, inwieweit die GEMA überhaupt konkurrenzfähig arbeiten kann. Im Gegensatz zu Verwertungsgesellschaften in anderen Ländern (Dänemark, Frankreich und den Niederlanden), schafft sie es nicht die Prozesse so zu gestalten, dass Creative Commons Lizenzen mit der Mitgliedschaft bei der GEMA vereinbar sind. (vgl.: GEMA bleibt beim Nein zu Creative-Commons-Lizenzen – Feb. 2012) Als Begründung wird genannt, dass dadurch Mehraufwand und damit Mehrkosten entstehen würden, die dem Ziel der GEMA, bei möglichst geringen Kosten die Rechte der Urheber bestmöglich zu vertreten, entgegenstehen würden. Was damit schwierig bleibt, ist z.B. die Nutzung viraler Marketing-Effekte über Soziale Netzwerke.

Passend zur Frage, wie arbeitsfähig die GEMA ist, findet man im Programm der kommenden Mitgliederversammlung der GEMA:

Die ordentlichen Mitglieder […] beantragen, darüber abzustimmen, eine neue Abteilung aufzubauen, ersatzweise eine neue Stelle zu schaffen oder zu besetzen, welche zur Aufgabe hat, Auslandsmeldungen, also Musikfolgebögen, die in Papierform bei der GEMA eingehen, per Hand zu bearbeiten und den Schwestergesellschaften digital zu übermitteln oder eine andere Möglichkeit zu finden, die Auslandsmeldungen nicht versacken zu lassen!

 

Begründung:
Derzeit gehen der GEMA sehr viele Auslandseinnahmen im Live-Bereich verloren, weil Werkelisten in Papierform an die Bands/Alleinunterhalter zurückgeschickt werden und die Abrechnungsabteilung die Musiker auffordert, die Titel digital einzugeben. Musikfolgebögen mit Auslandsterminen in Papierform werden von der Abrechnungsabteilung abgelehnt.
Viele Bandleader und besonders viele Alleinunterhalter sind häufig aus verschiedensten Gründen, auch aus Altersgründen und PC-Unkenntnis nicht bereit (oder können es einfach nicht), die Auslandstermine digital einzureichen. Wenn die Schwestergesellschaften das digitale Eingeben vorschreiben, dann muss die GEMA reagieren und eben selbst die Papiereinreichungen digital bearbeiten.

Der ganze Rest der Programmpunkte der Mitgliederversammlung ist auch sehenswert. Über ca. 100 Seite werden Änderungen an Satzung, Verteilplan und Geschäftsordnung vorgeschlagen, dass man meinen müsste, Ordentliche Mitglieder hätten allesamt Jura als Grundfach im Studium belegt. Spaßig ist das nicht, was man auch in einem Antrag zur Versammlung wiederfindet:

Die Mitgliederversammlung beauftragt den Aufsichtsrat, zur grundlegenden Überarbeitung der Verteilungspläne eine Sonderverteilungsplankommission einzuberufen, die aus der Mitte der Mitgliederversammlung gebildet wird […]

 

Begründung:

Die Verteilungspläne in der aktuell geltenden Fassung sind das Ergebnis eines Jahrzehnte dauernden sukzessiven Veränderungsvorganges. Hierbei sind eine Fülle von Einzelregelungen und Bestimmungen entstanden. Eine grundlegende Neufassung des Verteilungsplanes ist dringend erforderlich und soll die Gesamtsystematik der Verteilung erfassen, wobei der Grundsatz der werk- und nutzungsbezogenen Verteilung als oberste Prämisse zu verstehen ist. Zudem bedarf der Verteilungsplan zur besseren Verständlichkeit vereinfachter Strukturen sowie eine transparentere Abrechnung auf Basis der heutigen technischen Möglichkeiten. Gegebenenfalls kann durch eine gelungene Neufassung des Verteilungsplanes eine Verschlankung der Administration erreicht werden.

Fazit?

Als Gesamteindruck kann ich nur sagen, dass auf die GEMA viel mehr Aufmerksamkeit gerichtet gehört. Es stellt sich die Frage, wie eine Struktur, deren Mitglieder sich über die alten Modelle, die alten Verwertungsstrukturen legitiert hat überhaupt reformfähig ist. Keiner schafft sich freiwillig selbst die Grundlagen, dass er weniger verdient. Viel mehr verstärkt dies gepaart mit dem technischen Fortschritt und den gesamt-gesellschaftlichen Wandel den Geist für ACTA, PIPA und Co! Der Kruse-Satz “Und bist du nicht willig, dann brauch Geduld.” wird hier nicht reichen. Fast wie eine Drohung kommt da ein Satz wie folgender von der GEMA Webseite vor:

Warum gibt es uns?

Unser Ziel hat sich in den über 100 Jahren unseres Bestehens nicht geändert:

Uns geht es darum, das geistige Eigentum der Musikschaffenden zu schützen, ihre Interessen zu vertreten und dafür Sorge zu tragen, dass sie für die Nutzung ihrer Werke angemessen vergütet werden. Dafür wird sich die GEMA auch in Zukunft und angesichts der Herausforderungen des Informationszeitalters einsetzen.

Mit Schwestergesellschaften und Partnern aus Politik, Industrie und Wirtschaft haben wir neue Formen der Zusammenarbeit entwickelt, um Urheber auch in der digitalen Welt schützen zu können.

GEMA geht fremdUrheber sollten erkennen, die GEMA geht fremd! Alternativen wie die C3S sind Notwendigkeiten, die die GEMA wieder aus der Vergangenheit in die Gegenwart zwingen müssen!

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Der Autor: Steffen Peschel

Der Kopf hinter konzeptfreun.de. Er beschäftigt sich mit Fragen rund um Kunst, Kultur und Gesellschaft. Persönlich findet ihr ihn auch unter @Steffenster und auf Facebook wie auch Google+.

13 Reaktionen auf den Beitrag

  1. Pingback:GEMA: Zahlungsbereitschaft für Musik steigt in Mitteldeutschland | Der Computer-Oiger

  2. Schöner Text. habe vor 10 Jahren mal eine ähnliche Berechnung gemacht und bin zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen. Im Schnitt machen die Ausschüttung der GEMA/GVL 10% der Gesamteinnahmen eines musikalischen Künstlers aus. Allerdings sollte man nicht aus dem Augen verlieren, dass es andere Verwertungsgesellschaften gibt. Bei Schriftstellern scheinen die Ausschüttungen relevanter zu sein.
    Bitte auch noch einen Text zum Thema: Gesamtüberlassung versus “Ich will das Recht haben selbst zu bestimmen was mit meinem Werk passiert” (als beliebte Begründung für die Sinnhaftigkeit eines Urheberrechts).

    Ulrich

    • So so … Beiträge auf Bestellung. ;)
      Stimmt, sollte man auch noch mal drüber schreiben, gerade weil es doch ein sehr unbekannter Fakt ist, dass das möglich ist. Auf der GEMA-Veranstaltung gab es z.B. auch die Info, dass Rammstein komplett das Aufführungsrecht ausgeschlossen hat. Ich müsste da jetzt noch mal recherchieren, was das in der Praxis heißt. Vielleicht ist das ja auch eine Idee, die man generell als Musiker verfolgen kann. Gastbeiträge von dir sind aber auch immer willkommen! :)

    • Leider gibt es da einen Dreher, der schon wichtig wäre, den zu korrigieren. “Durch die Satzung dürfen überhaupt nur Mitglieder, die innerhalb von drei Jahren 30.000 EUR an Ausschüttung erhalten, den Antrag auf eine solche “ordentliche Mitgliedschaft” stellen.” In der Satzung steht z.B. für Komponisten: “Komponisten, die in fünf aufeinander folgenden Jahren ein Mindestaufkommen von EUR 30 000,00, jedoch in vier aufeinander folgenden Jahren mindestens EUR 1 800,00 jährlich von der GEMA bezogen haben, gerechnet ab 1. Januar 1946.” Ich werde noch mal nachfragen, aber Mindestaufkommen, müsste das Einkommen bezeichnen. Wahrscheinlich hat das nur so einen kryptischen Namen, weil es für die Berechnung wieder ein speziell festgelegtes Verfahren geben wird. Ist ja schon logisch, dass das Einkommen nur aus bestimmten Tätigkeiten erzielt werden soll.

      • Zitat: “Komponisten, die in fünf aufeinander folgenden Jahren ein Mindestaufkommen von EUR 30 000,00, jedoch in vier aufeinander folgenden Jahren mindestens EUR 1 800,00 jährlich von der GEMA bezogen haben,…”

        Das ist korrekt.

        Um einen Antrag auf ordentliche Mitgliedschaft zu stellen , muss der Komponist bzw. Textdichter zudem mindestens fünf Jahre ausserordentliches Mitglied gewesen sein .

        Den Antrag auf ausserordentliche Mitgliedschaft kann jedes angeschlossenes GEMA Mitglied (Komponist/Texter) stellen. (Eine ausserordentliche Mitgliedschaft ist nicht an ein finanzielles Mindestaufkommen gebunden.)

        Hierzu muss der Komponist zum einen fünf eigenhändig geschriebene Partituren vorlegen , sowie nachweisen , dass diese Kompositionen entweder öffentlich aufgeführt , oder gesendet wurden , oder aber auf Tonträger ( CD / Kassette ) oder Bildtonträger ( DVD / Video ) erschienen sind .

        Die verschiedenen Stufen der Mitgliedschaft ( angeschlossen / ausserordentlich / ordentlich ) haben allerdings keinen Einfluss auf die Höhe der Tantiemen die der Komponist / Textdichter / Musikverleger erhält .

        Entscheidend für die Höhe des Tantiemenaufkommens für ein einzelnes Werk sind im wesentlichen zwei Punkte:
        1. Auf welchem Medium wird das Werk verbreitet
        ( grobgesagt z.B. : Live / Radio / Fernsehen / Web … )
        2. Wie oft wird das Werk aufgeführt/gespielt/gesendet , bzw. wie oft wird der in Deutschland (!!!) gepresste Tonträger/Bildtonträger verkauft .

        Weiterhin muss man auch noch wissen , dass es für die verschiedenen Medien nochmals verschiedene Abstufungen in ihrer Wertigkeit untereinander , als auch innerhalb einer Kategorie gibt . Das wiederum hat Auswirkungen auf die Höhe der zu zahlenden bzw. auszuzahlenden Tantiemen . Fernsehen ist nicht gleich Fernsehen, Live ist nicht gleich Live , Radio ist nicht gleich Radio :
        Z.B. zahlen lokale Radiosender Pauschalen an die GEMA , während ein überregional zu empfangener Radio-Sender ( z.B. Deutschlandfunk )pro gesendetem Titel abrechnen muss. Das bedeutet also für den Komponisten, dass er mehr Tantiemen erhält , wenn sein Werk auf einem überregionalen Sender gesendet wird. Wenn eine lokale Band auf einem lokalen (Stadt-)Radio monatelang täglich 20mal gespielt wird , wird die Band trotzdem nur eine geringe Tantiemenauszahlung bekommen , da dieser Radiosender eben eine Pauschale an die GEMA zahlt. Allerdings gibt es bei der GEMA für Bands/Komponisten , die ausschliesslich auf solchen kleinen Sendern gespielt werden eine Härtefallregelung , durch die diese Komponisten dann eine gesonderte Abrechnung beantragen können, durch die sie dann eine Art Ausgleichszahlung erhalten für das entsprechende Abrechnungsjahr.

        ( Das Dieter Bohlen über viele Jahre sicherlich sehr viel Tantiemen erhalten hat , liegt tatsächlich daran , dass es eben sehr viele Leute gegeben hat , die seine CD’s gekauft haben , und die grossen Radio- und TV-Sender diese Musikproduktionen hoch und runtergespielt haben.
        Die Bohlens’s und Raab’s dieser Welt sind aber allesamt nicht im geringsten representativ für die Mehrzahl der Komponisten, die schlichtweg auf Tantiemenzahlungen angewiesen sind, um mit Komposition überhaupt den Lebensunterhalt verdienen zu können. Nicht jeder , der die Kunst des komponierens ausübt , ist gleichzeitig ein guter Instrumentalist oder ein fähiger Geschäftsmann , der in erster Linie Musik verkauft , wie andere Leute Versicherungen ( -> Bohlen ). )

        Beste Grüsse

        Gerd

        • Vielen Dank! Ist noch einmal eine schöne Zusammenfassung. Besonders interessant, wie die Radios abrechnen (müssen?).

          Wenn eine lokale Band auf einem lokalen (Stadt-)Radio monatelang täglich 20mal gespielt wird , wird die Band trotzdem nur eine geringe Tantiemenauszahlung bekommen , da dieser Radiosender eben eine Pauschale an die GEMA zahlt.

          • Hallo Steffen .

            Die GEMA und die jeweiligen Radiosender und TV Sender , bzw. deren Interessen- oder Verbandsvertreter sind Vertragspartner.
            D.h. die GEMA führt Verhandlungen mit diesen Vertragspartnern und schliesst dann mit diesen Verträge für eine bestimmte Dauer ab.

            Genauso verfahren andere Musik-Verwertungsgesellschaften in ihren jeweiligen Terretorien ( z.B. SACEM in Frankreich ; ASCAP in den USA ; etc. ) oder auch inländische Verwertungsgesellschaften aus anderen Bereichen , wie z.B. VG-Wort ( Autoren) , VG-Bild ( Designer, etc. ) und ähnliche.

            Kommt es zu keiner Einigung zwischen den Verhandlungspartnern , fliesst schlichtweg kein Geld in diesem Bereich.

            Für kleinere Radiosender sind Pauschalzahlungen sicherlich einfacher zu handhaben , da oft das Personal fehlt um den bürokratischen Aufwand für Einzelaustellungen von Sendelisten zu bewältigen. ( Selbst grossen – also personell besser ausgestatteten – Sendern unterlaufen viele Fehler bei den Einzelaufstellungen , wodurch ein grosser Teil der Tantiemen flöten geht).

            Grundsätzlich muss man noch sagen , dass kein Komponist bzw. Textdichter dazu verpflichtet ist, in eine Verwertungsgesellschaft einzutreten, sei es nun in die inländische GEMA oder eine andere ausländische Verwertungsgesellschaft ( SACEM , ASCAP, PRS , etc. ) . Das bedeutet dann jedoch auch , dass er/sie keinerlei Tantiemen bei einer Aufführung / Sendung für die Komposition bekommt , es sei denn er/sie verhandelt das eigenständig und erfolgreich mit dem jeweiligen Vertragspartner ( Radiosender XY ; TV Sender XY ; Live-Veranstalter XY; etc. ) .

            Verwertungsgesellschaften sind nicht unbedingt für alle (schreibenden) Künstler geeignet. Jeder Künstler sollte sich daher die Satzungen genau durchlesen , und Informationen in entsprechender Fachliteratur oder bei Mitgliedern einholen , bevor man sich dazu entschliesst einzutreten.
            Auch gibt es die Möglichkeit bestimmte Bereiche von vornherein aus dem Vertrag auszuschliessen , so kann man als Komponist z.B. den Bereich Web oder Liveaufführung aussparen , wenn man diese Bereiche selber lizensieren/verhandeln will.
            Ist man bereits Mitglied und möchte im nachhinein bestimmte Bereiche aussparen ( – soweit das möglich ist – ) , muss man allerdings mit Kündigungsfristen von 2 oder drei Jahren für die entsprechenden Teilbereiche rechnen,( … für alle zukünftig verfassten Werke , nicht für die bereits geschaffenenen und registrierten Werke … ).
            Das erscheint zunächst enorm lang , beruht jedoch auf der Tatsache , dass oftmals mit Jahresabrechnungen hantiert wird , sowohl seitens der Tantiemenzahler (TV-Sender; etc. ), als auch von der GEMA , oder rückwirkenden Zahlungen von entsprechenden ausländischen Verwertungsgesellschaften, wenn das Werk in deren Terretorium gesendet/aufgeführt wurde, und diese auländischen Verwertungsgesellschaften die Tantiemen an die GEMA weiterleiten , damit diese das Geld an ihr Mitglied ausschütten kann.

            – — –

            Wie gesagt , es gibt eben Künstler die ausschliesslich Schreiben (können) und eben nicht performen (können) , und die sind darauf angewiesen , dass sie für die Aufführung ihrer Werke eine Vergütung , also Tantiemen erhalten .

            Tantiemen sind sozusagen Lizenzen, obwohl der Vergleich etwas hinkt. Nun , egal in welchem Bereich mit “Lizenzen” jongliert wird , es wird auf jeden Fall sehr schnell kompliziert und durchaus auch unübersichtlich.

            Die verschiedenen Verbreitungsarten, Medien und Terretorien, und nicht zuletzt all die möglichen Kombinationen aus diesen , sind derart breit gefächert , dass selbst das bestdurchdachteste Tarifsystem für Tantiemenzahler in irgendeinerweise Schieflagen aufweisen wird, sei es zu Lasten der Tantiemenzahler oder aber der Tantiemenempfänger.

            Dies ist nicht zu verwechseln mit den möglichen bzw. teilweise tatsächlichen Schieflagen innerhalb des Verteilungsplans der GEMA selbst. Dahinter muss nicht gleich die grosse Verschwörung von ein paar wenigen , aber mächtigen Grossverdienern vermutet werden , die sich den Verteilungsplan derart stricken und verzerren , auf dass Sie selber bis in alle Ewigkeit in ihren Geldspeichern wie einst Dagobert Duck in Dukaten baden können.
            Die Berufsgruppe der Komponisten teilt sich auf in Spezialisten für verschiedene Bereiche , so z.B. Filmkomponisten, Werbekomponisten, Komponisten für Theatermusiken, Komponisten für Rockmusik (Live-Musik), etc. . All diese Gruppen versuchen natürlich innerhalb des Verteilungsplans ihrem jeweiligen Genre eine stärkere Gewichtung zu geben .

            – –

            Beste Grüsse nochmals ,

            Gerd

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