Vom Relaunch der Semperoper Website und was wir daraus lernen

Die aktuellen Änderungen am Corporate Design der Semperoper Dresden hat in den letzten Tagen nicht nur viel Verwirrung und Entsetzen ausgelöst, nein sie bringen auch einige Erkenntnisse mit, womit der Weg der Kultur ins Web (2.0) gepflastert werden mag.

Zunächst eine kurzer Abriss zum Geschehen, um den Grund von Unmut und Verwirrung zu skizzieren. Mit dem Amtantritt der neuen Semperoper-Intendantin Ulrike Hessler, bekommt Dresden mittels Imagekampagne das neue Corporate Design des altehrwürdigen Opernhauses präsentiert. Auch die Webseite der Semperoper (www.semperoper.de), die merklich nicht in die Imagekampagne eingebunden ist (keine URL auf den Plakten abgedruckt), erhält einen Relauch und erhitzt jetzt eine Diskussion, die auf Facebook/Twitter und in Blogbeiträgen im Flurfunk Dresden, Designtagebuch und bei Tyclipso vollzogen wird.

Screenshot von semperoper.de am 27.08.10

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Eine Datenbank über die Nutzung von Social Media in Kultureinrichtungen

StatistikgraphManchmal wünscht man sich einfach mal ein bisschen mehr Überblick, z.B. um aus einer Masse von Daten und Informationen schnell einen statistischen Überblick herleiten zu können. So geht es mir jetzt gerade, weshalb ich hiermit in die Runde frage, ob es eine solche Datensammlung mit Bezug auf Kultur und Web 2.0 bereits gibt? Ich versuche hier einmal zu skizieren, wie ich mir so eine solche Datensammlung vorstelle. Eventuell kann ja jemand den passenden Link einwerfen, wenn nicht werde ich genau das hier umsetzen.

Was ist mein Ziel? Was sind meine Fragen?
Ich finde die Zusammenführung von Kultur mit dem Web mit seinen neuen Konzepten der Kommunikation mehr als spannend. Was mir die Sache besonders aufregend gestaltet, ist eine in mir aufgekommene Goldgräberstimmung. Der Schatz heißt Kultur 2.0 und wie sich dieser Begriff genau ausgestaltet sei erst einmal dahin gestellt, da ich den Prozess fokusieren möchte, den Weg dahin.

Wie viele Theater, Museem, Konzert- und Festivalveranstalter nutzen denn bereits das Web 2.0? Wie viele beschränken sich dabei nicht nur auf einen Twitter- und Facebookaccount? Bei wie vielen ist bereits ein Konzept zu erkennen? Wer bindet schon Web 2.0 Kommunikation in die eigene Website ein? Wer bloggt und/oder bietet RSS Feeds an? Läßt sich eine Entwicklung beobachten? Werden es tatsächlich mehr?

Eine Entwicklung im Nachhinein beobachten zu können, ist einer der Sachen, die das Web noch nicht so richtig gelernt hat. Ich kann z.B. noch nicht ohne viel Aufwand herausfinden, ob und wie viele Redesigns oder Relaunches eine Webpräsenz schon hinter sich hat. Wie kann ich herausfinden, welchen Stellenwert Kommunikation auf einer Webpräsenz in der Vergangenheit eingenommen hat? Auch die als Internet-Archiv gedachten Angebote wie archive.org und waybackmachine.org bieten keine ausreichenden Informationen.
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Ohne Mehrwert sollten wir Social Media ganz schnell wieder vergessen

Social Media ist eine Chance und wo es Chancen gibt, sind auch Risiken nicht weit. Die Angst, das Kartenhaus Social Media könnte einstürzen, ist da schon eine oder auch mehrere Diskussionen wert. Christian Henner-Fehr verweist dazu heute in seinem Blog auf den Artikel “Wann platzt die Social Media Blase“. Die Nutzerzahlen und die Investments werden immer größer und unübersichtlicher, für das menschliche Vorstellungsvermögen immer schwerer einschätzbar und die damit wachsende Gefahr von Desinteresse und Überforderung wächst gleich mit. Die Parallelen zur großen Internet-Blase von vor 10 Jahren sind natürlich nicht von der Hand zu weisen, die dabei angebrachten Argumente nachvollziehbar.

Trifft das aber wirklich auf den Bereich der Kultur zu?
Social Media ist kein Produkt, Social Media ist Kommunikation. Wir erreichen heute Menschen, die wir vor 10 Jahren nicht nur nicht erreicht hätten, sondern auch gar nicht erst gekannt hätten. Die Frage wieviel Kommunikation wir vertragen und ob wir tatsächlich abschalten, ist für mich aber weniger eine psychologische sondern mehr eine technische Frage. Das miteinander Reden und voneinander Lernen werden wir wahrscheinlich nicht so einfach lassen können. Die Frage ist also eher, ob wir tatsächlich in Zukunft mehr Technik dafür einsetzen werden. Warum eigentlich nicht? Nicht nur Telefone sind heute schon Allrounder -> Hardware Is Bringing Facebook Everywhere.

Eine aktuelle Studie, vorgestellt von Holger Schmidt im FAZ-Communityblog “Netzökonom”, spricht meiner Meinung nach eine andere Sprache. Die Möglichkten sind noch nicht ausgereizt, eine verstärkte Nutzung von Social Media ist geplant und mit wachsendem Erfahrungszeitraum rückt die Bewertung ins Positive.

Je länger die sozialen Medien in der Organisation eingesetzt werden, desto positiver werden sie bewertet, hat die Umfrage ergeben.

Die Kultur muss sich für die Sozialen Medien nicht neu erfinden. Wohl aber muss dieses neue Engagement Mehrwert bieten und zwar für alle Beteiligten. Ohne Strategie diesen Mehrwert tatsächlich zu generieren ist eher ein Glücksspiel. Das Ziel ist Kommunikation und nicht, dass man etwas herauswirft, was am Ende mehr Fragezeichen im Raum erzeugt als vorher vorhanden waren.

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MySpace macht einen kleinen Schritt nach vorn. Doch wird es reichen?

MySpace ist meiner Erkenntnis nach das erste große Online-Netzwerk an welchem sich die hiesigen Musiker zu schaffen machen konnten. Die Plattform war die erste über die man eine relevant große Anzahl neuer Kontakte gewinnen konnte, bis dahin, dass sich so manche Band ihre Tour komplett über MySpace-Kontakte buchen konnte. Die populär gewordenen MySpace Popstars kann oder sollte man allerdings hinterfragen. Bei den Artic Monkeys war nämlich mehr im Spiel als nur MySpace, laut Wikipedia kam die Präsentation auf MySpace sogar …

[…] erst, als der Hype längst ausgelöst war.

Seit 2008 zählt Facebook mehr Mitglieder als MySpace, was Facebook natürlich noch nicht gleich zur Musikerplattform macht. Auch in 2010 ist Facebook nicht das neue MySpace für Musiker. Es fehlt einfach an der richtigen Einbindung der Musik, wie man dem Beitrag “Facebook & Musik: It’s complicated” des Schweizer Musikmagazin 78s.ch nachlesen kann. MySpace hingegen hat sich die letzten Jahre den Ruf eines schwerfälligen Klicki-Bunti-Monsters erarbeitet, dem es an schneller Weiterentwicklung fehlt und in vielerei Hinsicht der wachsenden Konkurrenz nicht das Wasser reichen kann.
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Wem gehört das Kulturgut Musik?

Ich möchte dieses neue Blog über Kultur und Web 2.0 mit einem Artikel über Musik und das Internet beginnen. Musik ist einfach das Feld ist, in dem ich mich persönlich am meisten bewege.

In der Musikwelt hat sich in den letzten Jahren Grundlegendes verändert. Was genau, gilt es zu diskutieren. Die Öffentliche Wahrnehmung, und damit versuche ich jetzt den Blick eben nicht nur auf den internetaffinen Social-Media-Plattform-Nutzer zu richten, wird leider immer noch von Trauermeldungen der “untergehenden Musikindustrie” bestimmt. Auf der Webseite des Bundesverband Musikindustrie wird, prominent positioniert, die Zahl der illegalen Downloads jede Sekunde nach oben gezählt. Das sind immerhin 10 pro Sekunde und insgesamt zum jetztigen Zeitpunkt (28.07.10) 180 Millionen seit 01.01.2010.

Doch was genau will man uns damit sagen? Der Zähler ist weder verlinkt, noch findet man gleich irgendeinen Text, der uns etwas dazu vermittelt. Die Wirkung ist emotional und meiner Meinung nach haben solche Vorgänge zu einer Spaltung der Lager, mit der wir jetzt konfrontiert sind, beigetragen. Je nachdem mit welcher Grundeinstellung man sozialisiert ist, findet man entweder die Musikindustrie oder die, die illegal Songs aus “dem Netz” laden, zum Kotzen. Eine etwas von der Emotion losgelöste Diskussion über die Vorgänge findet in den letzten Jahren immer nur häppchenweise statt und ich muss gestehen, auch mir fällt es schwer.

So finde ich folgende Aussage von Dieter Gorny, Vorstandsvorsitzender und öffentlich am meisten wahrgenommene Person des Bundesverbandes Musikindustrie, bemerkenswert:

Herr Gorny, hat die Musikindustrie einen Kulturauftrag?
…(Pause)… Sie sehen: Ich schweige.
Es war ja auch nur eine rhetorische Frage.
Dann antworte ich ebenso rhetorisch mit ›Jein‹. Ja, sie hat ihn, weil man zurecht erkennen muss, dass alle Branchen der sogenannten Kreativwirtschaft theoretisch einen solchen Kulturauftrag haben. Und sie hat ihn nicht, da ›Handel‹ etwas meint, was nach Beendigung der kreativen Leistung erfolgt, nämlich die möglichst maximale Gewinnschöpfung für in diesem Falle Kulturgüter auf dem freien Markt. Es mag also paradox scheinen, dass Inhalte, die unser gesellschaftliches Leben reflektieren und mitgestalten, auch Wirtschaftsgüter sind. Aber so ist es nun einmal. Interessanterweise funktioniert das Wechselverhältnis traditionell am besten bei den Tageszeitungen: Hier wünschen sich die festangestellten Mitarbeiter sehnlichst den wirtschaftlichen Erfolg ihres Blattes am Markt – und gleichzeitig kämpfen
sie erbittert und in vorderster Front gegen ihren Verleger, sobald dieser versucht, von der Werbewirtschaft finanzierte Inhalte als Schleichwerbung in die Zeitung zu drücken.

Quelle: Dieter Gorny im Interview: Ist Musik eine Ware wie Fischmehl oder Schrauben?
Dieter Gorny im Interview mit Max Dax von der Musikzeitschrift Spex.

Interessant finde ich diese Aussage nicht nur, weil Dieter Gorny dieser zentralen Frage mit einem Verweis auf Andere entschwindet, sondern weil ich hier kein klares “JA” vernehme. Er sprich von einer Theorie, die man zurecht anerkennen muss und daß die “sogenannte” Kreativwirtschaft einen Kulturauftrag hat und letztenendes geht es dann doch nur um den Handel, ja mit Kulturgütern. Ein Kulturauftrag ergibt sich daraus also nicht zwingend.

Ich jedenfalls wünsche mir, die Musikindustrie würde ihren Kulturauftrag nicht nur einseitig annehmen und sich z.B. mit der Unterstützung der Musikförderprojekte, beginnend auf unterster Ebene und unter Nutzung der Social-Media-Kanäle, wieder ihren potentiellen Kunden annähern.
Musik ist ein Kulturgut und mit “Gütern” läßt sich handeln, um es mit den Worten von Dieter Gorny auszudrücken: Das ist nun mal so. Wenn wir über Chancen reden, dann ist das Bekennen zum Kulturauftrag wohl die größte. Ich bin es jedenfalls Leid mich seelisch und moralisch in eines dieser Lager gedrängt zu fühlen, das Miteinander finde ich tausendfach besser!

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