Frühe Formen von Crowdfunding

von Steffen Peschel am

Crowdfunding – eine Frage der Definition

Ob man in der Crowdfundingszene die milliondollarhomepage schon dazu zählt, weiß ich gar nicht. Selbst würde ich das aber schon. Die Diskussionen in den vergangenen Wochen in der Crowdfunding-Gruppe haben gezeigt, dass es nach wie vor keine von allen gleich benutzte Definition für Crowdfunding gibt. Damit ist auch eine Abgrenzung nicht eindeutig. Karsten Wenzlaff, Wolfgang Gumpelmaier und Jörg Eisfeld-Reschke haben auf Ikosom eine Sammlung verschiedener Definitionen veröffentlicht. Allen gemeinsam ist, dass es sich bei Crowdfunding um eine Finanzierungsform handelt, bei der eine größere Menge von Meschen oder Unternehmen eine Idee oder ein Projekt gemeinsam finanzieren. Die Unterscheidung gegenüber anderen Formen des Fundraisungs gelingt in erster Linie durch das Vorhandensein einer direkten Gegenleistung.

Das Alles-oder-Nichts-Prinzip würde ich eher noch als Spezifikum der Crowdfunding-Plattformen beschreiben. Auch wenn es in Form der Selbstausbeutung leider viel zu schnell und gerade im Kulturbereich geduldet wird, dass man Projekte beginnt ohne dafür die ausreichenden Mittel zu haben, sind Projekte ohne 100% die Mittel nie umsetzbar. Fehlt auch nur 1 Prozent, muss der Plan geändert werden und das Projekt ist dadurch nicht mehr das selbe. Als Plattform-Betreiber habe ich aber das Bedürfnis Vertrauen zu allererst auch zu den Unterstützern aufzubauen. Ein Vertrauen, welches u.a. in dem Alles-oder-Nichts-Prinzip ausformuliert ist und überdem auch gesetzlich so notwendig werden müsste. Immerhin wird hier ein Vertrag vereinbart. Ändert sich dabei auf der einen Seite etwas, müsste man diesen jedes mal neu abschließen.

Der begrenzte Finanzierungszeitraum ist meines Erachtens auch relativ. Prinzipiell kann man ja auch mit dem Projektstart warten bis das Geld halt zusammen gesammelt ist. Damit aber auch tatsächlich das Geld zusammenkommt, ist es sehr hilfreich möglichst eindrucksvoll Spannung aufzubauen. Eine Deadline ist immer irgendwie spannend. Hinzu kommt, dass ich in dem Augenblick, wo ich mit solchen Unternehmungen meinen Lebensunterhalt finanzieren möchte, auch nicht ewig warten kann. Da ist quasi noch eine ganz natürliche Deadline im Spiel.

War die Milliondollarhomepage auch schon ein Crowdfunding Projekt?

Kommen wir endlich zur eingangs erwähnten milliondollarhomepage. Wie die Wikipedia festhält, kam im Jahr 2005 ein Student aus England auf die Idee kam, auf einer Homepage Werbeplatz in einzelnen Bildschirm-Pixeln zu verkaufen. Ein Pixel kostete 1 US-Dollar und er hatte gleich eine Fläche von 1000 x 1000 Pixel im Angebot. Da er der erste mit so einer Idee war, sich die Sache herumsprach und irgendwann auch die Massenmedien darüber berichteten, schaffte er es tatsächlich die 1 Million Pixel zu verkaufen, die letzten wurden sogar meistbietend auf Ebay versteigert.

Natürlich gab es Versuche die Idee nachzuahmen. Dass es eine zweite Webseite es geschafft hat, ist bisher zumindest nicht bekannt geworden. Der 1. FC Köln z.B. hat es versucht und wollte 8 x 8 große Pixelstücke für 25 Euro verkaufen. Immerhin etwas über 80.000 Euro müssten die Stuttgarter Kickers so eingespielt haben. Auf der Seite Believe in Blue sind über 800.000 Pixel verkauft wurden, die Fläche ist also zum größten Teil belegt. Da die einzelnen Pixel nur 10 Cent kosten, sind hier als maximal 100.000 Euro drin. Für einen Fußballverein sicherlich auch nicht wenig Geld, in Relation aber wahrscheinlich eher ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Im Kulturbereich ist mir persönlich nur das Putjatinhaus in Dresden bekannt, welches ebenfalls darüber “sein Glück versucht” hat. Die Seite ist mittlerweile nicht mehr online, die Domain steht zum Verkauf. Nur in alten Medienberichten kann man darüber noch etwas finden.

Screenshot believe-in-blue.de - ein Crowdfunding Projekt?

Screenshot http://www.believe-in-blue.de

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Der Autor: Steffen Peschel

Ich beschäftige mich in erster Linie mit Fragen rund um Kunst, Kultur und Social Media. Wer mehr über mich erfahren will, findet das auf steffenpeschel.de, Facebook, Twitter oder Google+.

4 Reaktionen auf den Beitrag

  1. Mein Name wird oft verwechselt, ich vermute das geht auf den Liedtext von “I once laffed a lass, laffed her so well,…” zurück, denn mein Nachname schreibt sich mit zwei F, quasi ein FF.

    Jetzt fehlt aber eigentlich nur von Dir eine Definition ;-) Dann würde ich das auf der Übersicht-Seite verlinken!

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