Bloggen, ja oder nein?

von Steffen Peschel am

Sowohl Tanja Praske, als auch Frank Tentler haben sich jeweils zum Start ihrer neuen Blogs noch einmal Gedanken darüber gemacht, welche Faktoren für das Bloggen eine Rolle spielen und was bei der Frage, ob Blog oder nicht Blog bedacht werden kann. Ich schreibe “noch einmal” ganz bewusst, denn beide begeben sich mit ihren neuen Blogs nicht komplett in neues Fahrwasser.

Bei Tanja Praske ist es nach dem Bloggen für eine Kulturinstitution und dem Bloggen für ein Netzwerk im Kultursektor nunmehr das eigene, das persönliche Blog. Bei Frank Tentler ist es eher nur ein Wechsel des “Flugzeugträgers”, wie er es beschreibt. Nachdem deutlich wurde, dass sein bisheriges Lieblingstool Posterous demnächst eingestellt werden könnte, hat er sich nach einem neuen Gefährt umgeschaut und fängt neu, und so wie es klingt auch nur zwischenzeitlich, mit Tumblr an.

Beide sprechen sich natürlich für das Bloggen aus, wahrscheinlich auch aus diesem Grund beschreibt Tanja ihre Faktoren als Hürde, die es zu überschreiten gilt.

Hürde Nr. 1: die ZEIT

Hürde Nr. 2 – die THEMEN

Hürde Nr. 3 – der PERFEKTIONISMUS

Hürde Nr. 4: die REIFE

Hürde Nr. 5: die STRATEGIE

Hürde Nr. 6: die TECHNISCHE UMSETZUNG

Interessanterweise wählt Frank Tentler genau die dazu ergänzende Sichtweise und beschreibt die Kriterien als Chance. Mehr noch als bei Tanja Praske wird Frank Tentler deutlich, dass es nicht die Frage, ob man überhaupt einen Weg ins Netz nehmen sollten, sondern mehr, ob das eigene Blog nicht bereits ausreichend von Plattformen Facebook, Google+, Twitter, Instagram und deren kombinierte Nutzung ersetzt werden. Stellvertretend möchte ich einen daraus Punkte hervorheben.

Aus Punkt 1 von FT: Bloggen ist ein guter Grund sich mit “Web 2.0″-Technologie auseinander zu setzen. Das ist in dem Sinne wichtig, als dass es zum Verstehen des Web allgemein eine wichtige Rolle spielt.

- Allerdings, und darauf möchte ich kurz eingehen, bin ich mir in diesem Punkt nicht sicher, ob wir dabei vom Gleichen Ansatz her sprechen. Während Frank vom “Flugzeugträger” spricht, der als Container mit vielen Schnittstellen meinen Botschaften leicht und schnell in die sich fortwährend verändernde Social-Web-Landschaft hinaus trägt und dessen maximale Wandelbarkeit dadurch gewährleistet ist, indem er selbst, der Container, austauschbar ist (gefällt mir übrigens selbst sehr, wie ich das beschrieben habe :) ), war und bin ich der, der bereits vor dem populär werden von Content-Management-Systemen mit HTML, wenig später auch mit CSS, PHP und MySQL-Datenbanken rumgetüftelt hat.

Natürlich habe ich mich mir diesen Erfahrungen im Rucksack nie so richtig mit den Blogsystemen anfreunden können. Zwar waren die auch relativ schnell wie ein kleiner Lego-Baukasten modular ausbaubar, die entscheidenden Bausteine fehlten mir dann aber trotzdem immer irgendwie. Ich bin heute nach wie vor begeistert von WordPress als Software, nicht zuletzt, weil es sich in den letzten Jahren immer mehr zu dem entwickelt hat, wie ich es mir gewünscht habe. Auch wenn ich meinen “Flugzeugträger” so schnell nicht wechseln werde, kann dieser sich trotzdem aufgrund seiner eigenen modularen Umsetzung wunderbar im Wandel bewegen.

Ein eigenes Blog, und damit meine ich jetzt tatsächlich auch ein selbst gehostetes, ist vielleicht ein wenig aufwendiger und braucht ein wenig mehr Zeit, schützt mich aber im Gegenzug davor, dass ich mich von Eingabemasken abhängig mache und mich bei jedem Flugzeugträgerwechsel mit neuen Kompromissen beschäftigen muss.

flattr this!

Der Autor: Steffen Peschel

Ich beschäftige mich in erster Linie mit Fragen rund um Kunst, Kultur und Social Media. Wer mehr über mich erfahren will, findet das auf steffenpeschel.de, Facebook, Twitter oder Google+.

4 Reaktionen auf den Beitrag

  1. Danke für die Zusammenfassung und einige wichtige Gedanken dazu.

    Wahrscheinlich gibt es nicht “DAS” CMS. Kunden empfehle ich für dauerhafte Auftritte auch WordPress, aber ich spiele halt für mich, für sie gerne mit den verschiedenen Möglichkeiten neuer Systeme. Daher freue ich mich schon auf http://www.medium.com ;) . Man muss ein CMS nehemn, dass im jeweiligen Projekt (Kampagne, Event, Corporate Blog,…) sinnvoll ist. Mal schnell, mal nachhaltig, mal ruhig, mal auf Speed. Das gilt für Inhalt, wie für Technik.

    Und manchmal braucht man einfach keines und geht direkt in die Netzwerke.

  2. Danke Frank und Steffen für die Gedankendarlegung. Für mich fing es mit dem Bloggen 2007 an, einfach um eigene Gedanken in einem Medium, das ich mit 10 Fingern und Anreicherung von Links, einfach gestalten kann. Dass es nicht an Perfektion heranreicht ganz außer Frage. Warum selbst hosten, wenn sich alle Möglchkeiten bieten? Wenn es dann perfekt sein soll, und die Ressourcen keine Rolle spielen dann gerne auch selbst gehostet.

    Einen schönen 3. Oktober wünsche ich allen noch

    Ralf

  3. Auch von mir ein großes Merci für den analytischen Blick auf die Blogposts von Frank und mir. Richtig: Ein Blog ist grundsätzlich eine Chance und sollte das Herzstück für Social Media Aktivitäten sein. Wünschenswert ist, dass Kulturinstitutionen vermehrt diese Chance erkennen und nutzen.
    Schöne Grüße, Tanja

  4. Pingback:Auf Reisen oder Hürdenlauf zum persönlichen Blog » KULTUR - MUSEO - TALK

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