Nicht die feine ART
von Steffen Peschel amAuf verschiedenen Nachrichtenseiten konnte man gestern einen Artikel zum gerade beendeten Kunstfestival Ostrale in Dresden lesen. Gegenüber der Nachrichtenagentur dapd zieht darin die Leiterin und gleichfalls eine von drei im Team der Kuratoren, Andrea Hilger, zwar eine positive Bilanz, richtet aber auch deutliche Worte an “die Stadt” Dresden.
Aus der ganzen Welt reisten Menschen zur documenta nach Kassel, aber in Dresden friste Gegenwartskunst noch immer allenfalls ein Nischendasein, kritisierte Hilger. Grund dafür sei, dass sich die Stadt nicht offiziell zu dem Angebot bekenne. Viele reisefreudige Kunstliebhaber wüssten deshalb nicht, dass es auch in der sächsischen Landeshauptstadt eine Plattform für zeitgenössische Kunst gebe, sagte sie.
Auch wenn ich das Gefühl habe, dass der Vergleich mit der documenta in Kassel dann doch eher gewollt und nicht gekonnt ist, will ich lieber nicht wirklich darauf eingehen. Zum künstlerischen Anspruch und dem tatsächlichen Gehalt der documenta kann ich nichts sagen, weil ich diese nur aus Berichten kenne, selbst aber noch nie dort war. Auf der Ostrale war ich in diesem Jahr auch nicht.
Die Kausalkette, die Ostrale friste ein Nischendasein, weil die reisefreudigen Kunstliebhaber nicht von ihr wüssten, weil “die Stadt” Dresden sich nicht zu ihr bekennen würde, dürfte aber nicht nur mir wie ein emotional getriebener Tritt in den Allerwertesten vorkommen. Die Frage ist dabei aber nicht nur, an wen dieser eigentlich adressiert sein könnte, sondern auch ob die Kritik überhaupt berechtigt ist. Wer also soll sich hier angesprochen fühlen? Ist es der Ausschuss, der über die Vergabe der zur Verfügung stehenden Mittel für die Kulturförderung entscheidet? Ist es der Kulturbürgermeister Dr. Ralf Lunau oder ist es die Dresden Marketing Gesellschaft, die ganz nebenbei gesagt auch im Ostra-Gelände, also keine fünf Gehweg-Minuten entfernt, sitzt? Das Amt für Wirtschaftsförderung wäre mit Bezug auf die Unterstützung der lokalen Kreativwirtschaft auch noch ein möglicher Briefkasten.
Der Vorwurf, Dresden würde in seiner Außendarstellung nicht allem Potential gleichmäßig gerecht, ist natürlich nicht neu und auch ich hätte und habe das vor drei Jahren auch noch gesagt. Im Jahr 2012 halte ich das aber für überholt. Eine Stadt wie Dresden, mit einer halben Million Einwohner und einem kulturellen Angebot, das Potential für internationales Interesse schafft, ist natürlich kein homogenes Topfgemüse. Jede/r die/der sich auch nur etwas mit der Stadt auseinandersetzt, weiß, in Dresden gibt es Vielfalt. Die Architektur im Stadtkern, auch wenn diese ebenfalls nicht auf einen Stil zu reduzieren ist, ist natürlich prägend, darüber muss man nicht diskutieren. Gleiches gilt auch für die hier in Vielzahl beheimateten Einrichtungen der sogenannten Hochkultur. Dass diese Leuchttürme Schatten werfen, aus denen heraus es manchmal doppelt schwierig erscheint, wahr genommen zu werden, ist die ausführlichere Beschreibung dessen, was sich nicht mit “Altehrwürdigem” in Verbindung bringen lässt. Die Frage ist aber weniger, wie sich diese Schwierigkeit beschreiben lässt, sondern vielmehr, wie man es schafft eine Aufmerksamkeit auf Neues zu lenken. Denn jeder Vorwurf bekräftigt auch ungewollt das Bild einer Stadt, die sich mit einem Schlagwort beschreiben ließe.
Wie breit Dresden mittlerweile in der Außendarstellung präsentiert wird, zeigt dabei nicht nur der jüngste Anlauf mit der eigenen Crowdfunding-Plattform “Dresden Durchstarter“, mit der die DMG Dresden als kreativen und innovativen (Wirtschafts)Standort präsentieren möchte, sondern auch schon die Veranstaltungs-Highlights 2012, die im November 2011 in einer Präsentation der DMG identifiziert wurden. Um das zu verdeutlichen, habe ich mir mal die Mühe gemacht und das abgetippt.
| Circus Sarrasani – neue Dinnershow “Luminesque” |
| im Verkehrsmuseum: “Under Attack – London/Coventry/Dresden” |
| SemperOpernball |
| 7. Internationales Springermeeting |
| im Lipsiusbau: “Atlas” – von Gerhard Richter |
| im Hygienemuseum: “Leidenschaften” |
| 20 Jahre Fraunhofer Institut in Dresden |
| Erich-Kästner-Museumsfestival * |
| Dresdner Operngala |
| Operettenball * |
| Internationaler City Lauf |
| Tage der Industriekultur mit Dampfloktreffen * |
| wissenschaftliches Karl-May Symposium zum 100. Todestag |
| Sonderausstellung Karl May – Autographen und Briefe |
| Dresdner Nachtskaten |
| Staatsschauspielhaus: Premiere: “Die Räuber” |
| Internationales Kurzfilmfestival * |
| 3. European Guitar Award und String Spring Festival |
| Dresdner Walzernacht * |
| Traditionelle Dampferparade der Sächsischen Dampfschiffahrt * |
| 60 Jahre Verkehrsmuseum, Eröffnung Ausstellung “Luftfahrt” |
| Johann Strauss Festival Dresden * |
| Vom Dreieck zur Landkarte, 150 Jahre Gradmessung in Sachsen |
| 7. Außerordentliches Konzert mit Kurt Masur |
| Lange Nacht der Theater & St. Petersburger Philharmoniker, Russische Romantik |
| 42. Internationales Dixieland Festival * |
| Dresdner Musikfestspiele*, evtl. Kongress “Wirtschaft und Kultur” |
| 20 Jahre HTW, Festwoche |
| Karl-May-Festtage Radebeul * |
| im Semperbau: 500 Jahre Sixtinische Madonna |
| im Militärhistorischen Museum: Ausstellung “Stalingrad” |
| 10. Dresdner Lange Nacht der Wissenschaften * |
| Ostrale * |
| Klassik picknickt * |
| Dresdner Schlössernacht und Museums-Sommernacht-Dresden * |
| Sachsen-Tour International der Radelite 2012, Race Day 2012, Zwingerfestspiele Dresden * |
| Dresdner Stadtfest mit Flottenparade der Sächsischen Dampfschiffahrt * |
| Festival OFF EUROPA: Nachrichten aus der Türkei |
| Hans-Werner-Henze Festtage an der Semperoper Dresden |
| Eröffnung der 100. Spielzeit des Staatsschauspiels Dresden |
| DMG Marketingkongress |
| im Hygienemuseum: Sonderausstellung “Auf Leben und Tod – Der Mensch in Malerei und Fotografie vom 15. bis zum 21. Jahrhundert” |
| TonLagen – Dresdner Festival der zeitgenössischen Musik * |
| 16. Jüdische Musik- und Theaterwoche |
| Internationales Laser-Symposium Fiber & Disc (FiSC 2012) |
| Dresden Marathon * |
| Tschechisch-Deutsche Kulturtage 2012 * |
| HOPE Gala Dresden* & UNITY – Deutschlands größte Innenstadtparty * |
| yro Games Feuerwerksfestival*, Landespresseball, Congress Award |
| Jazztage Dresden * |
| CYNETART Festival * |
| erstes Operndirigat Christian Thielemanns an der Semperoper “Der Rosenkavalier” von Richard Strauss |
| Internationales Adventsturnier im Springreiten |
| 578. Dresdner Striezelmarkt * |
| Weihnachtsshow der Staatsoperette Dresden |
| Adventsvesper des Dresdner Kreuzchores |
| Stadtmuseum: “Kindheit in Dresden” |
| Weihnachtsoratorium des Dresdner Kreuzchores |
| Frauenkirchen-Festtage 2012 |
| Christvesper des Dresdner Kreuzchores |
| Silvesterkonzert mit Christian Thielemann und der Staatskapelle Dresden |
| Silvester Open Air auf dem Theaterplatz * |
| Silvestervesper des Dresdner Kreuzchores |
| (* jährliche Highlights) |
Anhand dieser Liste sollte klar werden, Dresden präsentiert sich vielfältig. Ganz konkret wurde die Ostrale auch auf der Facebook-Seite der Stadt (auch von der DMG verwaltet betrieben) erwähnt und verlinkt (I,II,III). Eine Pressemitteilung durch die Stadt zur Veranstaltung gab es ebenfalls.
Wäre es nicht angebrachter, statt einen Tag nach Veranstaltungsende nicht näher definierte Forderungen an eine nicht genau geklärte Empfängerschaft über die überregionale News-Presse stellen, zunächst erst einmal die eigenen Leistungen zu reflektieren? Welches Konzept verfolgt denn die Ostrale, um die reisefreudigen Kunstliebhaber selbst anzusprechen? In Dresden wurde natürlich darüber berichtet, mindestestens drei Mal oder so. Neben ein paar Flyer sind mir vor allem die großen Plakate in nicht geringer Anzahl überall in der Stadt aufgefallen. Aber klebten auch solche Plakaten in anderen Städten? Nicht vorstellbar, wenn man weiß, was sowas kostet.

Eine Facebook-Seite für die Ostrale gibt es natürlich, mit über 6.000 Fans steckt dort auch eine Menge Potential drin. Genutzt wird es bisher eher sporadisch. Einen Twitter-Account gibt es seit letzten Freitag. Das sind drei Tage vor Veranstaltungsende. In Blogs findet die Ostrale auch nicht wirklich statt. Sucht man danach, findet man ein paar Beiträge, aber auch hier wird es einfach keinen geben, der das aufkeimende Potential verfolgen und für weitere Kontakte und eine Vernetzung nutzen könnte. Sicherlich wurde noch in Fachkreisen berichtet, für eine Zulaufsteigerung sorgt das aber sicherlich nicht.
Ich bin mir sicher, es war dann doch nicht so als Tritt in den Allerwertesten gemeint, wie es bei mir ankommt, aber insgesamt bleibt ein merkwürdiger Schimmer. Sich über was und wen auch immer zu beschweren, wenn man so offensichtlich die eigenen Hausaufgaben noch nicht gemacht hat, ist einfach nicht die feine ART.
“Die Unterstützung von der Stadt muss sich erhöhen”, forderte Hilger. Mit 40.000 Euro Förderung seien die Kosten von 43.000 Euro nicht gedeckt. “Die Stadt muss sich überlegen, ob man ein Festival will, das ein internationales Publikum anziehen und Dresden ein ganz anderes Gesicht geben kann”, fügte sie hinzu.
Mit dieser merkwürdigen Kausalität, die in dem Artikel aufgemacht wird, frage ich mich: Was ist das? Ein Rettungsschirm für die Kunst? Ja bitte! Aber auch hier: nicht bedingungslos. Wie wäre es mit einem Eingeständnis, eben nicht alles allein zu können. Dresden ist voll von diesen Selbstverwirklichern mit Tunnelblick und ich prangere das an!
Ergänzung vom 20.09.12 15:04: Wie die Ostrale in einem Kommentar auf ihrer Facebook-Fanpage mitteilte, stammen die verwendeten Zitate nicht wie von mir angenommen, aus den letzten Tagen. In dem Kommentar heißt es: “Danke dapd für diesen wertvollen Beitrag zum Qualitätsjournalismus! Die zeitkritischen Zitate sind sechs Wochen alt. Damit sind sie auch auf keinen Fall ein Fazit der OSTRALE-Macher.”


Steffen – wieder einmal auf den Punkt getroffen. Nicht zu vergessen, dass internationales Publikum in der Region Dresden es immer noch schwer hat fremdsprachige Informationen und Ansprechpartner zu finden. Es gibt sie, doch sind sie nach wie vor rar, wenn man sich aus dem Zentrum der Kunst am Theaterplatz entfernt – das Ostragehege ist nun wirklich das Touristenziel, das einen normalen Touristen in Dresden magisch anzieht.
Es gibt noch eine Menge zu tun, packen wir es einfach gemeinsam an. Es sind die vielen kleinen Aktivitäten in der Stadt im Bereich Kunst und Kultur. Erinnern möchte ich an dieser Stelle an das 2. Sympphoniekonzert mit Zubin Mehta und Isang Enders am Violoncello, http://twitter.com/IsangEnders/status/247648041140617216, das live in MDR Figaro in alle Welt übertragen wird (und wir haben bereits Zuhörer aus New York ausgemacht, die dem 1. Symphoniekonzert mit Christian Thielemann am Pult und Renée Fleming auf der anderen Seite des Großen Teichs lauschten).
Mit mein Besuch auf der diejährigen Ostrale bleibt ein etwas mageres Gefühl von “ach- Kunst?!” zurück. Sicher ist der Anspruch Kunst für so viele Menschen wie möglich zu bieten ein ehrenwerter. Aber gerade nach den zurückliegenden Veranstaltungen bin ich doch etwas enttäuscht. (Vielleicht erwarte ich ja auch zu viel?)
Zwei Beispiele: Gerade wenn Treppen den barierefreien Zutritt versperren hoffe ich doch wenigstens darauf, dass mir Informationen bereitgestellt werden, wo mir die dargebotene Kunst wenigstens auf dem Papier (oder iPad) zugänglich gemacht wird. Wenn ich dann ein Begleitbuch zur Ausstellung kaufe, dann sicher nicht um nur ein Foto jedes Werks zu erhalten sondern um Hintergrundinformationen zu den Kunstwerken und Künstlern zu erhalten. Gerade wenn pro Künstler nur ein Werk vertreten ist (ja es gab auch Ausnahmen mit zwei Werken) Es gab Kunstwerke, welche mich inspirierten, verblüfften oder auch zum schmunzeln brachten. Schade nur, dass es so wenige waren. Es steckt so viel Potenzial in der Ostrale. Aber ich habe den Eindruck, bei dem Versuch ihr internationales Immage durch internationale Kunstler zu erhöhen, wird dabei vergessen dass es in Dresden und Umgebung sehr viele beachtenswerter Künstler/innen gibt welche die Vielfalt im modernen Kunstgeschehdn abzubilden Vermögen. Ich frage mich wo will die Ostrale hin? Und sicher, Zeit zum wachsen braucht sie auch. Ich sehe sie als Bereicherung aus der wirklich was werden kann.
Geld! Es geht nur um Geld! Da werden schon mal vor der Endabrechnung profilaktisch Forderungen erhoben, damit die Fördergeldgeber nicht auf die Idee kommen, aufgrund des diesjährigen Besucherrekords neu zu bilanzieren. Ich denke, das gehört zum Geschäft.
Mich würde mal die Aufschlüsselung der 40tausend Euro Fördemittel interessieren – vorallem die Personalkosten und Spesen.
Ansonsten frag ich mich, was Dresden verlöre, wenn die Mannschaft um Frau Hilger weiterzieht. Ich glaube, mit der institutionellen Förderung im Rücken findet sich ganz leicht neues Personal für eine Sommeraustellung im Erlwein-Schlachthof. Und solche Knallerkunst wie bisher findet sich auch zuhauf in den Ateliers allermöglichen Kunsthochschlabsolventen. Das will alles mal ausgestellt werden, damit auch mit dem Kunstmarkt klappt. Da ist es egal, ob das “Ostrale” oder “adc (art dresden contemporary)” oder “hinz&Kunzes kühne Kunst” heißt.
Und als letztes: Frau Hilger offenbarte schon in früheren Interviews ein verborgenes Talent zu surrelalistischen Aussprüchen. Wer genau hinhört, wird da einige Perlen finden.
Nur als Hinweis: Ohne Verlinkung oder ähnlichem sind Behauptungen, was Frau Hilger schon in früheren Interviews offenbart haben soll, erst einmal nur nicht nachprüfbare Behauptungen. Ich bitte sie, Kurt, uns solche Behauptungen zu ersparen.
Im Artikel habe ich eine Ergänzung am Ende eingefügt. In dem dort verlinkten Facebook-Eintrag wird geschrieben, dass es sich bei den genannten 40T€ um die Mietkosten handele und nicht um die Gesamtkosten.
Da hast du mich falsch verstanden.
Ich habe überhaupt nichts behauptet, sondern meine persönliche Meinung zum Ausdruck gebracht. In diesem Fall zu den mir bekannten Interviews von Frau Hilger.
“surrealistisch” ist im übrigen kein Schmähwort und von mir auch nicht so verwendet worden. Ganz im Gegenteil!
Hallo Steffen,
danke für deine Ergänzung und die Verlinkung auf meine kurze Erklärung zu den angesprochenen 40.000 Euro. Die Förderung der Stadt beträgt diese genannte Summe – 43.000 Euro holt sie sich allein für die Miete zurück. Die Instanthaltung der Räume bleibt dabei Aufgabe der OSTRALE… Was allein für Brandschutz, Bautenschutz etc. für die vom Verfall bedrohten denkmalgeschützten Gebäude investiert wird steht also neben allen weiteren Kosten auf einem anderen Papier.
Ich stimme allen Kommentatoren allerdings vollkommen zu, dass der Artikel zum jetzigen Zeitpunkt und in der Aufmachung Fragen aufwirft. Zur Erklärung nochmal: Der erwähnte Artikel kommt von der dapd und die zitierten Aussagen sind sechs Wochen alt, also in ihrer Aussagekraft kaum mehr gültig. Zum damaligen Zeitpunkt war die OSTRALE noch im vollen Gange und die Situation ist mittlerweile – auch in politischer Sicht – eine andere. Wieso die Meldung erst jetzt erscheint und als Fazit der OSTRALE-Macher verkauft wird, ist völlig unverständlich und kein Beitrag zu gutem Journalismus.
Was die Adressaten des Artikels angeht: Die Kritik ist etwas pauschal, aber deswegen im Kern nicht falsch. Bei einem solchem Großprojekt ist es unverständlich, wenn man von der einen Seite des Hauses tolle Unterstützung bekommt und gleichzeitig von der anderen Seite des Hauses unglaublich viele Steine in den Weg gelegt bekommt. Das geht seit Jahren so und ist im Resultat ein Nullsummenspiel, was enorme Kraft und Motivation kostet.
Zu deinen Schlussfolgerungen: Du hast vollkommen Recht damit, dass sich Kunst und Kultur (über den Unterschied und die Gemeinsamkeiten sind wir uns ja einig) messen lassen müssen, beispielsweise an anderen Ausstellungen oder vergleichbaren Veranstaltungen anderer Genres. Dabei lässt sich fast immer feststellen, dass Umsetzung und Organisation verbesserungswürdig sind. Asche auf unser Haupt, hier gibt es auch bei uns viel zu tun. Dazu gehört ein Marketing- und Kommunikationskonzept was einer Ausstellung mit diesem Anspruch gerecht wird. Daran arbeiten wir weiter. Dazu gehört aber auch das Recht zu kritisieren (und natürlich wiederum kritisiert zu werden).
@Knut
Reg dich gern über die Kunst bzw. den Künstler auf. Verwechsle das aber bitte nicht mit Kritik an der Ausstellung an sich. Nur weil dir der Zugang zu den Arbeiten fehlt, bedeutet das nicht, dass eine Ausstellung „samt Mannschaft weiterziehen“ sollte.
Apropos Mannschaft: Die OSTRALE beschäftigt ganze vier Festangestellte im Bereich Technik und Büro, weitere sieben Technik-Stellen kommen aus zweckgebundener Förderung wie etwa der Aktion Mensch oder sind Bürgerstellen. Um diese Gelder muss jedes Jahr neu gekämpft werden, Förderrichtlinien müssen peinlichst genau eingehalten werden und diese Einhaltung wiederum nachgewiesen werden. Ein unglaublicher Overhead, der Zeit und Kraft kostet, ganz abgesehen von der schwierigen Planbarkeit in größeren Zeiträumen.
Außerdem arbeiten temporär 12 sogenannte 1-Euro-Jobber, 15 Praktikanten und 50 ehrenamtliche Helfer während der Ausstellungszeit. Die Leitung und Kuration läuft komplett ehrenamtlich. Soviel zu den Personalkosten.
Vielleicht öffnet das einmal die Augen, welcher Enthusiasmus notwendig ist, um etwas in dieser Größenordnung auf die Beine zu stellen. Wenn man das über sieben Jahre durchhält, kommt einem deine pauschale Kritik etwas naiv vor. Dass zeitgenössische Kunst nicht jedermanns Geschmack trifft, bleibt davon ganz unbenommen. Auf deinen Hinweis zu den Spesen gehe ich hier nicht ein.
Öffentliche Meinungsäußerungen sind generell keine einfache Sache. Aber das merkst du wahrscheinlich manchmal auch an deinen eigenen Kommentaren
Niemand hat die Absicht, hier über Kunst zu diskutieren.
Ich habe an keiner Stelle gesagt, daß irgendjemand weiterziehen soll. Ich habe die Meinung geäußert, daß es wohl sofort personellen Ersatz geben würde, würde Frau Hilger und ihre Mannschaft abtreten. Ja, ich behaupte, daß die meisten Dresdner es überhaupt nicht merken würden, sollte die ostrale nicht mehr ostrale heißen und Frau Hilger nicht mehr Frau Hilger.
Und das mit der Förderung ist interessant. Ihr kriegt also nicht nur €40tausend von der Stadt Dresden, sondern viel mehr. Die 1-Euro-Jobber werden von der ARGE bezahlt. In der ARGE steckt zur Hälfte die Bundesanstalt für Arbeit und die Stadt Dresden drin. Also werden diese Zwölf zur Hälfte von der Stadt bezahlt. Behinderte einzustellen ist eine feine Sache. Bezahlt via Aktion Mensch. Bürgerstellen sind meines Wissens eine Maßnahme der ARGE zur Aktivierung und Wiederherstellung der Arbeitskraft. Also auch wieder zur Hälfte von der Stadt gefördert. (früher lief das über die QAD, heute über eine DAS GmbH)
Die Praktikanten werden mit einem Eintrag in ihrem Lebenslauf entlohnt und die ehrenamtlichen Helfer mit freiem Eintritt.
Bleibe noch die Frage nach der Entlohnung der vier festen Kräfte. Sind bei diesen Vier die zwei ostrale—Direktoren Hilger und Dr. Müller schon eingerechnet oder laufen die beiden extra auf dem Gehaltszetel des Vereins?
Genauer: Wer bezahlt die vier Festangestellten und eventuell die beiden ostrale-Direktoren?
Weiterhin wäre noch in die Förderung einzurechnen, daß die jetzigen Ausstellungsgebäude mittels Fördermitteln saniert werden sollen. Und zwar durch die DGI GmbH, einer Tochter der Technischen Werke Dresden GmbH. Ich hörte mal was von gesammt 4,5mill € über mehrere Jahre. Da wiegt der Hinweis auf die teuren Brandschutz- und Gebäudeerhaltungskosten dann nicht mehr so schwer. Über Sachkosten wäre auch noch zu reden. Und von den Sponsorengeldern und der projektgebundenen Förderung durch die diversen Kunststiftungen müssen wir schweigen, solange nichts davon auf wikileaks zu lesen ist.
Alles in allem sieht das für mich so aus, als hätten die ostrale-Leute einen guten Job gemacht. Ich hab schon dünnere Finanzdecken gesehen. Es bleibt also bei meiner obigen Einschätzung, euer Jammern ist das “Jammern der Kaufleute”.
Das Lamentieren, wie strikt Deadlines und Richtlinien eingehalten werden müssen und was das alles für ein Haufen Arbeit wäre, beeindruckt mich wenig. (Was ist ein Overhead?) So geht es jeder Firma.
Es ist doch völlig ok., wenn sich sonst arbeitslose Kulturarbeiter über Jahre ein florierendes Unternehmen aufbauen. Es ist doch völlig ok, wenn diese für ihre Arbeit adäquat bezahlt werden wollen. Daß dazu Enthusiasmus gebraucht wird, steht außer Frage. Das ist bei anderen Entrepreneuren nicht anders.
Ich bin gespannt, wie ihr in Zukunft die ostrale vermarkten wollt. Ob ihr die Dresdner Marketing GmbH dafür einspannen und dafür bezahlen lassen könnt, sehe ich noch nicht. Aber da bin ich bestimmt zu naiv.
Schade, da hätte ich jetzt nach deinem missglückten ersten Versuch mehr erwartet und zitiere mal sinngemäß Stefan Zweig, dass nichts aufweckender, aber eben auch nichts befremdlicher wirkt als das entnervende Spiel bloßer Vermutungen.
Meiner Meinung nach wirfst einen Haufen Dinge in einen Topf, schmeckst das Ganze mit weiteren unbelegten Behauptungen ab und glaubst alles durchschaut zu haben („Geld! Es geht nur um Geld!“).
Deine Argumentation bleibt extrem dünn und basiert in der Summe auf perfider Suggestion (Praktikanten und Ehrenamt werden abgespeist, Behinderte ausgenutzt) und unverdauten Halbwahrheiten (die DGI saniert irgendwann vielleicht die Häuser – schon mal überlegt, was diese Aussage im Spielbetrieb nützt? Und wie stichhaltig findest du dein Argument zur Sanierung eigentlich angesichts der Tatsache, dass die OSTRALE Mieter ist?)
Und nein, die OSTRALE ist kein StartUp oder Entrepreneur. Auch wenn sich die wirtschaftlichen Herausforderungen in vielen Dingen gleichen, bleibt die Zielsetzung, die übergeordnete Idee, eine vollkommen andere.
Du meinst über weitere Förderung durch ominöse Kunststiftungen und Sponsoren müsstest du warten bis wikileaks einschreitet? You made my day!
Um dir zu zeigen wie man Behauptungen belegt, hier der Link zu den Partnern und Sponsoren der OSTRALE’012: http://www.ostrale.de/de/partner/de_partner.html
Dem ganzen Unsinn setzt du dann die Krone auf, indem du zum einen indirekt den Vorwurf machst, dass sich mit einer Kunstausstellung Geld verdienen ließe (“Jammern der Kaufleute”). Zum anderen findest du es gönnerhaft okay, „wenn sich sonst arbeitslose Kulturarbeiter über Jahre ein florierendes Unternehmen aufbauen“ und sich dafür ruhig adäquat bezahlen lassen sollen.
Oft liegt die Wahrheit ja irgendwo dazwischen, aber du bist du in diesem Fall viel zu weit entfernt davon, als dass man es als Diskussionsbeitrag ernst nehmen kann.
Wenn du dir selbst ein Bild machen möchtest, hast du im kommenden Jahr wieder die Chance auf die OSTRALE – und mit uns ins offene Gespräch zu kommen. Ich denke, dass ist sinnvoller und ehrlicher als sich hier die Fetzen um die Ohren zu hauen…
Für zwischendurch bin ich auch gern unter presse@ostrale.de zu erreichen.
Liebe Ostrale!
Ich betreibe keine perfide Suggestion, wenn ich einfach alle mir zugänglichen Informationen zusammenfasse und daraus Schlüsse ziehe. Es tut mir leid, wenn ich auf deine Ablenkungsmanöver nicht hereinfalle. Warum stört Dich das so? Hast Du was zu verbergen? Ach so: Bei Geld hört die Freundschaft auf.
Du hast meine Darlegungen jedenfalls nicht entkräftet. Vorallem interessiert mich jetzt die Finanzierung der vier festen Mitarbeiter (Technik/Büro). Lässt sich Frau Hilger etwa ihre Firma (www.hillumination.de) quersubventionieren? Mindestens vier Mitarbeiter bei hillumination.de sind namensidentisch mit Mitarbeitern bei ostrale.de – wer bezahlt die von welchem Geld? Und wovon lebt Frau Hilger und Dr. Müller?
Man kann mit Kunstausstellungen sehr wohl Geld verdienen. Z.B. seinen Lebensunterhalt!8-) Aber das ist in Ordnung, wenn die Kulturarbeiter ohnehin von staatlichen Transferleistungen leben müssen. Dann könne sie auch öffentlich geförderte Austellungen organisieren.
Zum Punkt DIG: Es kann als bekannt vorausgesetzt werden, daß die Stadt das Gelände entwickeln will. Da macht es sich schlecht, wenn sich zwischen Hafen und Messe ein verwahrlostes Areal befindet, das einzig von Junkies, Vandalen und Brandstiftern besucht wird. Um die denkmalgeschützten Gebäude in einem gewissen Zustand zu erhalten, ist etwas wie die Ostrale genau richtig. Eine win-win-Siuation! Oder warum, glaubst Du, wird über Deine Förderanträge so wohlwollend entschieden? Und das, obwohl eure Austellungen an Belanglosigkeit nur noch von denen im Kunsthaus Dresden überboten werden.
Ich denke, das gehört zum Plan. Sollte es sich in fünf Jahren heraustellen, daß es ernsthafte Interesenten für die Gebäude gibt, kriegt ihr schneller den Subventionshahn abgedreht, als Du Ostrale sagen kannst. Und niemanden wird es stören. Weil ihr belanglos seid! Es tut mir wirklich weh, Dir das so klar sagen zu müssen: Die Ostrale ist irrelevant! Man gehe zu googleNews und suche nach Artikeln über die Ostrale. Die Ausbeute ist erbärmlich. Man suche in den einschlägigen Kunstzeitschriften, in Kunstblogs oder sonstigen Fachpublikationen. Nichts, nada, niente – media coverage gleich null! Und das in eurem sechsten Jahr. Und das bei eurem Anspruch. Das ist eine deprimierende Bilanz.
Ich hasse Dich nicht. Ich bin nicht futterneidisch. Ich interessiere mich aber dafür, wie meine Stadtverodneten mit meinen Steuergeldern umgehen.
Und wenn es billiger ist, diese Immobilien durch euch bespielen zu lassen, anstatt einen Wachdienst zu engagieren, dann sollt ihr weiter so großzügig subventioniert werden. Wenn nicht, wird niemand euch vermissen.
Leb wohl!
Kurt
PS: Was ist denn nun ein Overhead?
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