Die Gründer Garage in der Crowdfunding-Phase

von Steffen Peschel am

Seit dem 07.09.2012 läuft aktuell und einen Monat lang die Crowdfunding-Phase der Gründer Garage, einem Wettbewerb für angehende Unternehmer, initiiert von der Stiftung Entrepreneurship, der Crowdfunding-Plattform IndieGogo und Google Germany.

Gesucht werden Geschäftsideen aus allen Bereichen der Gesellschaft, ob aus Wirtschaft, Kultur, Umwelt oder Soziales. Auf einer Online-Plattform durchlaufen die Bewerber ein Training für Entrepreneure. Danach spielen sie einen Teil ihres Startkapitals durch “Crowdfunding” selbst ein. Am Ende winken attraktive Preisgelder. (Quelle)

Über 80 Projekte haben sich an dem Projekte beteiligt. Die große Überflieger-Idee, die stellvertretend für die gesamte Gründer-Garage die Plattform medienwirksam nach vorn bringt, konnte ich bisher nicht erkennen. Es sind eher viele kleine, teilweise wünschenswerte, teilweise aber auch extrem unverständliche Projekte.

In die Kategorie “eher wünschenswert” würde ich z.B. die Bürger App stecken, eine Mobile App, die Lokalpolitiker/innen mit Bürgern und umgekehrt in Dialog treten lässt. Ein Wunsch wird es meiner Meinung nach bleiben, weil dieser angestrebte Dialog meiner Meinung nach weniger mit Technik, sondern mehr mit der Bereitschaft diese zu nutzen zu tun hat. Wie das Vorhaben mit 15.000 Euro zu realisieren ist, bleibt auch ein Geheimnis.

Eine Kategorie “fernab der Realität” würde ich für MyExcuse – Management of Absencese aufmachen, eine MobileApp mit der Schüler oder Studenten sich einfacher vom Unterricht abmelden können. Ein automatisierten Prozess zwischen Lehrern, Eltern und Schülern, bei dem es speziell nur um die Unterrichtsentschuldigung geht. Fern ab der Realität, weil hier so getan wird, als wenn es im Unterricht darum gehen würde, sich zu 100% auf die reine Wissensvermittlung zu konzentrieren und eine Krankmeldung eine komplett statistische Größe darstellt. Im Pitchvideo gibt es den Satz “The school can save precious time an focus more on their core business (teaching an educatiing).” Für trainieren von Robotern ist das sicherlich hilfreich, dort wo es aber um Menschen geht, nicht.

Von mir vielleicht total verkannt, weil in Wirklichkeit Kunst, ist das Projekt Songs erstellen. Der Gründer möchte eine Webseite aufbauen, auf der Songtexte und Melodien zueinander finden. Damit man versteht, wie das ganze funktionieren soll, gibt es ein Video mit lebenden Gänsen, stellvertretend für Textautoren und Komponisten, und einem Hund, stellvertretend für den “nennen wir es mal Algorithmus der Webseite”, zum nachfühlen. Wer das Projekt unterstützt, darf auch mal die Gänse streicheln oder sich für einen Tag das Fahrrad ausleihen. Nein, Kunst ist das auch nicht. Interessant ist das Projekt dennoch, denn es zeigt, wie wichtig ein guter Support und Qualitätsmanagement auf Crowdfunding-Plattformen sein kann. Richtig ernst nehmen kann ich nämlich spätestens nach diesen Beispielen das gesamte Projekt nicht mehr.

Etwas verwunderlich erscheint das Ergebnis, wenn man sich mal anschaut, was auf Seiten der Gründer Garage dafür getan wurde, um die Gründer und Ideen auf den Wettbewerb vorzubereiten. So findet man z.B. ein Online Training über zehn Module, die inhaltlich sehr solide vermitteln auf welche Punkte es ankommt, will eine Idee für eine Gründung einer Reifung unterziehen. Präsentiert werden diese Trainingseinheiten über informative Texte, Übungen und sehr strukturiert gehaltene Video, die eigentlich jeder Projektstarter mal mal anschauen kann.

Was dem Training aber komplett weitestgehend fehlt, ist die Frage, wie ich meine Idee auf Kausalität und Verständlichkeit gegenprüfe. Auch nahezu unbeachtet bleibt die Frage, wie eigentlich so ein Pitch funktioniert und worauf es in der Präsentation einer Idee ankommt. Da möchte z.B. jemand einen neuartigen 2-Takt-Motor entwickeln und lässt vollkommen offen, warum man heute noch einen Verbrennungsmotor bauen will, wo doch alles in Richtung Elektromotor zeigt? Nur so als Beispiel. Es scheint fast so, als hätten das Online Training nur die wenigsten absolviert.

Natürlich gibt es auch ein paar ganz interessanter Sachen, ordentlich präsentiert werden diese aber nicht. Persönlich glaube ich ja, hier hat sich keiner so wirklich einen Gefallen getan. Weder die Stiftung Entrepreneurship, die beteiligten Unternehmer mit ernsthaften Interesse, noch IndieGogo, die für den deutschsprachigen Raum offensichtlich auch noch keinen Support leisten können. Aber naja, steht ja auch noch groß “Beta” darüber.

Screenshot http://www.entrepreneurship.de/gruender-garage/online-lernen/

Screenshot: http://www.entrepreneurship.de/gruender-garage/online-lernen/

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Der Autor: Steffen Peschel

Ich beschäftige mich in erster Linie mit Fragen rund um Kunst, Kultur und Social Media. Wer mehr über mich erfahren will, findet das auf steffenpeschel.de, Facebook, Twitter oder Google+.

9 Reaktionen auf den Beitrag

  1. ich hab ja lange überlegt, ob und welches projekt ich da mitlaufen lasse… es wird ja immer wieder explizit nach filmprojekten gefragt. die passen aber doch eigentlich nicht so richtig zum thema ‘gründen’, oder??

  2. Pingback:Blogs aus Sachsen bei ebuzzing.de – Ranking für September 2012 | world wide Brandenburg

  3. Lieber Steffen,
    danke für Deinen ehrlichen Blogbeitrag.

    Die “Gründer-Garage” ist ein Projekt, das es bis dato so noch nicht gab. Daher “feilen und schrauben” auch wir selbst jeden Tag noch daran, um besser zu werden und unsere Community bestmöglich zu unterstützen. So gibt es mittlerweile den Support und Webinare z.T auch auf Deutsch. Vielleicht muss man auch nochmals erwähnen, dass es sich bei der “Gründer-Garage” um einen Ideenwettbewerb handelt, daher fragen wir auch keine Zahlen ab oder urteilen darüber, ob eine Idee gut oder schlecht ist. Bei uns geht es in erster Linie um Kreativität – den sogenannten “proof of concept” übernimmt die “Crowdfunding-Community” dann im Anschluss.

    Unsere Mission ist es, Menschen zu ermutigen, eigene Gründungs-Ideen schriftlich festzuhalten und durch den Entrepreneurship Campus in Schritten zu einem unternehmerischen Konzept auszuarbeiten. Ich persönlich finde es toll, dass wir so viele verschiedene, bunte Ideen und Gründerpersönlichkeiten mit dabei haben – von Film, über Mobile-App bis hin zum Kunst oder sozialen Projekt. Gerade in Deutschland fehlt oftmals der Mut und die Unterstützung, um einfach mal zu springen. Vielleicht wird aus der eingereichten Idee am Ende kein fertiges Geschäftskonzept, viel wichtiger ist uns aber, dass Menschen wieder den Unternehmergeist in sich spüren.

    Liebe Grüße von Simone (Projekt Managerin) aus der “Gründer-Garage”

    • Hallo Simone, vielen Dank für deinen Kommentar. Ich bin selbst auch davon überzeugt, dass es bei euch wachsen wird. Was mich ja sehr interessieren würde: Warum habt ihr euch für IndieGogo entschieden? Die Crowdfunding-Plattformen in DE beweisen schließlich auch Gründergeist.

      • Lieber Steffen,

        Indiegogo ist die weltweit größte Plattform und ein echter Pionier im Bereich Crowdfunding. Pro Monat wickelt das Unternehmen Transaktionen im Volumen von mehreren Millionen Dollar ab und ist daher ein sehr starker Partner für die “Gründer-Garage” mit einer großen internationalen Community. Viele unsere Gründer haben daher ihre Kampagnen auch in Deutsch und Englisch erstellt, um so noch mehr Unterstützer zu erreichen.

        Grundsätzlich gibt es bei uns nicht “entweder oder” – wir haben uns ganz bewusst gegen “Exklusivität” entschieden. Mit Jens-Uwe Sauer von Seedmatch beispielsweise haben wir auch den Vertreter eines deutschen Crowdfunding-Anbieters mit im Projektbeirat. Nach Abschluss des Wettbewerbs kann es durchaus sein, dass das eine oder andere erfolgreiche Projekt von Seedmatch weiter betreut wird.

        Liebe Grüße aus der “Gründer-Garage”
        Simone

  4. Lieber Steffen,

    vielen Dank für deinen Beitrag.

    Ich glaube aber du hast bei der MyExcuse Kampagne was Missverstanden.

    Es geht nicht um den Entschuldigungsgrund…es geht um die Fehlzeitenverwaltung.
    Diese Verwaltung der Fehlzeiten von Schülern ist nichts neues und wird in jeder Schule mehr oder weniger ähnlich umgesetzt. Allerdings in schriftliche Form.

    Durch MyExcuse soll dieses Verfahren digitalisiert werden.

    Im Idealfall kommt der Lehrer in seinen Unterricht, öffnet mit seinem Smartphone die App und makiert die Schüler die in seinem Unterricht nicht anwesend sind.

    In diesem Moment erhalten die Erziehungsberechtigten eine Nachricht, dass ihr Kind gefehlt hat.

    Die Eltern haben dann die Möglichkeit das Fehlen ihres Kindes zu entschuldigen und der Fall ist eledigt und wir mit in die schulinterne bzw. individuelle Statistik mit aufgenommen.

    Die Vorteile liegen dabei klar auf der Hand:

    Die Schulue bietet sich selber und den Erziehungsberechtigten ihrer Schüler ein System an, welches für beide Seiten benutzerfreundlicher, schneller und zuverlässiger ist.

    Die Schule und Eltern haben von ihren Schülern/Kindern eine Statistik, wer, wann, im welchem Fach, beim welchen Lehrer und wie oft gefehlt hat.

    Fehlt ein Schüler zu oft in einem bestimmt Fach, so kommen die ersten Warnungen als Nachrichten über das System an die Eltern. Darauf können die Eltern reagieren.

    Es ist aber nicht die Absicht von MyExcuse das Entschuldigen für Eltern und Schüler so zu vereinfachen, dass mehr Schüler fehlen, wie bereits durch die Funktionen beschrieben.

    In erster Linie ist es sehr interessant für die Schulen. Denn Sie müssen alle organisatorischen Aufgaben erledigen. (Notenverwaltung, Stundenpläne, etc.) Und für alles gibt es eine Software-Lösung.

    Nur nicht für die Fehlzeiten…und da möchte MyExcuse helfen. Durch die gewonnen Zeit, können sich die Lehrkräfte mehr auf ihre wesentlichen Aufgaben, dem unterrichten und Erziehen, konzentrieren.

    Vielen Dank

    PS: Das was auf http://www.myexcuse.de online ist, war der Anfang der Idee und daraus ist das aktuelle Projekt enstanden.

    • Hallo Thiago, ich bin der Meinung, man sollte nicht versuchen ein Problem zu verwalten, sondern die Ursache zu ergründen. Es ist mir schon ganz klar, dir geht es offensichtlich darum, Prozesse zu vereinfachen. Ich bin aber der Meinung, dass das, was du hier vorschlägst, an dem Prozess der Bildung vorbeigeht. In erster Linie sollten die Eltern wissen, was ihre Kinder machen und dabei spreche ich nicht von einem Prozess der Kontrolle, sondern von Fürsorge. Das erste, was ich machen würde, wenn es so einen Prozess mit einer automatischen Benachrichtigungsmail wie bei myexcuse gäbe, wäre eine automatisierte Antwortmail. Ich spreche davon, dass jeder Mensch anders ist und ich Automatisierung, die in so einen wichtigen Prozess, wie Bildung reinspielt, sehr skeptisch gegenüberstehe. Ich bin kein Technikskeptiker. Wenn es in erster Linie darum geht, dem Lehrer Arbeit zu erleichtern, dann kann sicherlich eine Art Verwaltungssoftware helfen. Und ich finde es auch sinnvoll, wenn es Schnittstellen gibt, über die die Eltern so eine einfache und sicherlich oftmals belanglose Sache wie eine Entschuldigung oder eine Bestätigung erledigen können. Ich kann mir da superviel vorstellen, wo Software helfen oder auch Dinge ersetzen kann. Automatisierung und Bildung, da muss man aber aufpassen. Finde ich.

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